Kundgebung/Fest-Akt: Straßenumbenennung nach Selma Steinmetz, Arnezhoferstraße, 1020 Wien

12.09.2008 - 17:00
12.09.2008 - 22:00
Etc/GMT+2
EINLADUNG ZUM FEST-AKT AUF DER STRASSE
am 12. September ab 17 Uhr

Arnezhoferstraße / Ecke Wolfgang-Schmälzl-Gasse

Wir wollen die Arnezhoferstraße nach Selma Steinmetz umbenennen.

Johann Arnezhofer war im 17. Jahrhundert Pfarrer und Kommissär 'zur
Ordnung der Israelitischen Angelegenheiten'. Er war  ein antisemitischer
Hassprediger und organisierte 1670 im Auftrag von Leopold I die
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Stadtviertel 'Unteres
Werd', wie die Leopoldstadt damals hieß.

1906 ließ dann der damalige antisemitische Wiener Bürgermeister Lueger
die Straße nach Arnezhofer benennen.

Wir finden: es ist eine Schande, dass heute, nachdem von den
NationalsozialistInnen 200.000 Juden und Jüdinnen aus Wien vertrieben
und mehr als 60.000 von ihnen ermordet wurden, immer noch ein
Straßenname einem Vorläufer dieser unmenschlichen Politik Anerkennung
zollt. 27 davon wurden aus der Arnezhoferstraße deportiert.

Wir fordern: Als deutliches Zeichen gegen alle Formen von
Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit soll endlich die die
Arnezhoferstraße umbenannt werden!

Unser Vorschlag:

Selma-Steinmetz-Straße.

Selma Steinmetz wurde geboren 1907 in Wien als Tochter einer kleinen
jüdischen Kaufmannsfamilie. Sie studierte Geschichte und Germanistik und
wurde Lehrerin.  Als jüdische Sozialdemokratin fand sie nach 1934 unter
den Austrofaschisten keine Anstellung mehr und ging nach Paris, wo sie
sich 1939 den kommunistischen Widerstandsgruppen österreichischer
EmigrantInnen anschloß. Sie engagierte sich in der "Travail
Antiallemand", der "Antideutschen Arbeit" , die unter deutschen und
österreichischen Soldaten Aufklärung über die Verbrechen des
Nationalsozialismus betrieb. 1944 wurde sie von der Gestapo verhaftet,
gefoltert, zum Glück aber von der französischen Resistance wieder
befreit. Sie kehrte nach Wien zurück, wo sie wesentlich am Aufbau des
DÖW (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands) beteiligt
war. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1979 war sie engagiert bei der Erforschung
und Aufklärung der Verbrechen des Nationalsozialismus. Sie war die
erste, die über die Verfolgung von Roma und Sinti im Nationalsozialismus
publizierte.

Bereits letztes Jahr haben wir einen Festakt gestaltet. Es gab
zahlreiche Unterstützungserklärungen, auch Bürgermeister Häupl steht
einer Umbenennung positv gegenüber: "Mit mir braucht man über Leute, die
Schuld bei Kriegsereignissen, Verfolgungen, Pogromen auf sich geladen
haben, gar nicht reden. Wenn so etwas vorgefallen ist, und wenn sie auch
nur geistige Helfershelfer waren, dann gehört das geändert. (...) Wenn
die Bewohner sagen, dass sie keine Adresse wollen, die mit dem Namen
eines Antisemiten und Judenverfolgers versehen ist, dann würde ich
meinen, dass man das ändern sollte.
"

Bisher jedoch blieb der schändliche Straßenname bestehen. Aus Anlaß des
101.Geburtstags von Selma Steinmetz wollen wir unser Anliegen erneut
publik machen.

Wir laden Sie hiermit herzlich ein, mit uns am 12. September ab 17.00
Uhr bei einem Straßenfest über die Umbenennung der Arnezhoferstraße zu
diskutieren.

Für musikalische Unterhaltung wird ebenso gesorgt, wie für das leibliche
Wohl. Essen und Getränke gibt's an den Standln der Lokale aus dem Viertel.

Stuwerkomitee | Email: kontakt@stuwerkomitee.at | www.stuwerkomitee.at

Wir feiern mit den BesucherInnen auf der Straße!

mit Musik, Essens- und Getränkestandln der benachbarten Lokale

Es unterhalten Sie: Ruza Nikolic-Lakatos (Roma-Musik), Ramba Samba (Trommeln - angefragt), Lenny Lakatos (Liedermacher
räudiger Wiener Lieder), Ursula Baumgartl (Schlager aus den 20er und
30er Jahren), Gerald Grassl (jüdische Sagen), Sandra Selimovic (Wiener
Rap), Severin Mahrer (Jazz), Jella Jost (jiddische Lieder), Christian
Wirlitsch (Polit-Folk)

Karte
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